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Martin Durrer und Barbara Lukesch


Niklaus Meienberg als Anlass

Herausgegeben von Martin Durrer und Barbara Lukesch

Mit Beiträgen von René Staubli, Walter Ruggle, Hanspeter Uster, Heinz Looser, Josef Lang, Marco Meier, Luise F.Pusch, Stefan Howald, Stefan Keller, Martin Durrer und Barbara Lukesch, sowie mit einer Umschlagzeichnung von Tatjana Hauptmann.

232 Seiten, broschiert, 28.–

ISBN 3-85791-143-3

 

Verlagstext:

 

Niklaus Meienberg ist nicht Mittelpunkt, sondern Ausgangspunkt einer Diskussion. Er ist kein Einzelfall, er hat nicht allein gekämpft, nicht allein riskiert. Aber er war in allen Medien präsent, hat überall Schwierigkeiten bekommen. An seinem Beispiel können Strukturen und Mechanismen deutlich werden, die über den Einzelfall NM hinausweisen. Ein Buch über Meienberg muss ein Buch über die Schweiz sein.

 

Inhalt:

 

Martin Durrer/ Barbara Lukesch

Meienberg für Verpackungskünstler?

Die bürgerlichen Printmedien und der Starschreiber

Nach dem Schreibverbot im "Tages-Anzeiger" von 1976 herrschte bei Meienberg Ebbe. Er war auf linke Medien verwiesen, bürgerliche Blätter wollten von ihm nichts wissen. Mit dem Engagement als Chef des Pariser "Stern"-Büros hat der Wind gekehrt. Schweizer Chef-Redaktoren haben ein Verkaufsargument entdeckt. Wichtig war ein brillanter Schreiber - und sein Name für den Aushang.

 

René Staubli

Nicht auf Schweizer Wellenlänge

Leben und Sterben der satirischen Radiosendung "Faktenordner"

Es gibt in der Schweiz kein Organ für Satire, weil Schweizer und Schweizerinnen keinen Sinn dafür haben. Am 17.Dezember 1983 wurde die satirische Radiosendung "Faktenordner" feierlich zu Grabe getragen. Die Sendung, die 1975 ins Programm genommen wurde, kannte fast keine Tabus und erregte immer häufiger in gewissen Köpfen öffentliches Aergernis. Ihr Untergang war unausweichlich.

 

Hanspeter Uster

Der Prozess um des Esels Schatten

Ein ungeschriebenes Theaterstück auf der Anklagebank

Für einen einmaligen Fall in der Schweizer Rechtsgeschichte der Nachkriegszeit sorgte Familie Wille, als sie 1977 den Richter bemühte, um ein ungeschriebenes Theaterstück über Ulrich Wille II zu verhindern. Es sollte gerichtlich festgelegt werden, zu welchen Schlüssen der Historiker und Schriftsteller NM aufgrund seiner Recherchen nicht kommen durfte - Geschichte als privates Eigentum.

 

Martin Durrer/ Barbara Lukesch

Ein Schreibverbot wird zwölf

NM und das Schreibverbot beim Zürcher "Tages-Anzeiger"

Bei Erscheinen dieses Buches sind es genau zwölf Jahre, dass Otto Coninx gegen NM ein Schreibverbot im "Tages-Anzeiger" aussprach, das heute noch gültig ist. Das war nicht allein ein krasser Akt von Verlegerwillkür, sondern ein klar politisch motivierter Entscheid. Chronologie und Hintergründe der Ereignisse wurden für dieses Buch erstmals recherchiert.

 

Luise F.Pusch

Das Schmettern des Schweizer Gockels

Eine feministische Textanalyse

Die feministische Linguistik findet in der Schweiz ein grösseres Echo als in Deutschland. Luise F.Pusch ist eine ihrer radikalsten und bekanntesten Exponentinnen. Am Beispiel seiner vier Reportagebände untersucht Pusch Meienbergs Sprache. Männersprache?  Macho Meienberg? Luise F.Pusch kommt zu überraschenden und provokativen Ergebnissen.

 

Walter Ruggle

Geistlose Landesverteidigung

Kleine Wirkungsgeschichte des Dokumentarfilms "Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S."

Selten fand ein Dokumentarfilm ein so grosses und diskutierfreudiges Publikum wie Dindo/Meienbergs "Ernst S.". Aber Vergangenheitsbewältigung war nicht angesagt. Offizielle wie offiziöse Stellen zogen sich in die Gräbern zurück und kämpften gegen den Film. Die Fernsehausstrahlung konnte nicht verhindert aber immerhin gekürzt werden. Die einzige Auszeichnung für den Film kam aus dem Ausland.

 

Heinz Looser

Sittengemälde der Historikerzunft

Reaktionen der etablierten Geschichtsschreiber auf "Die Welt als Wille & Wahn"

Niklaus Meienbergs Wille-Serie in der "Weltwoche" war ein publizistischer Grosserfolg, sein Buch über die Naturgeschichte eines Clans ist zum Bestseller geworden. Die Exponenten der Schweizer Geschichtsschreibung aber mochten sich zum neuesten Werk ihres Zunft-Kollegen nicht äussern. Eine Debatte ist ausgeblieben. Heinz Looser hat die Geschichtsverwalter zur Rede gestellt.

 

Josef Lang

Die Geschichtsbücher müssen neu geschrieben werden

Der Historiker Niklaus Meienberg

Geschichte von unten ist ein Schlagwort - eins das allerdings nicht mehr richtig greift. Denn es ist nicht nur eine neue Perspektive, sondern es sind methodisch neue Wege, die von der modernen Geschichtsschreibung gegangen werden. Meienberg bringt eine Dimension dazu, die im französischen und angelsächsischen Raum nicht mehr neu ist: die Qualität der Sprache. Josef Lang versucht eine kritische Positionierung.

 

Stefan Keller

Das Bildnis des Künstlers als Popanz

Fragen Sie doch einen NZZ-Leser

Die alte Tante an der Zürcher Falkenstrasse, die "Neue Zürcher Zeitung", hat sich immer wieder mit Meienberg beschäftigt, aber sie hat sich hartnäckig geweigert, sich mit ihm ernsthaft auseinanderzusetzen. Die Pflege von Feindbildern fällt leichter. Sie im Blatt zu erkennen, ist nicht immer einfach, denn sie kommen nicht so plump daher wie andernorts. Stefan Keller hat aufmerksam gelesen.

 

Marco Meier

La réalité surpasse la fiction

Hugo Loetscher, Jürg Federspiel und Niklaus Meienberg als Schweizer Vertreter des "New Journalism"

Neu ist der "New Journalism" längst nicht mehr, er hat hierzulande nur keine grosse Anhängerschaft. Marco Meier vergleicht die ganz unterschiedlichen Ansätze Loetschers, Federspiels und Meienbergs. Und einmal mehr erweist sich, wie viele Bedeutungen ein geläufiger Begriff haben oder gewinnen kann.

 

Stefan Howald

Nachrichten von der Arbeiterklasse

Zur Entwicklung des publizistischen Genres der Fabrikreportage in der Schweiz nach 1968

Niklaus Meienberg selbst hat darauf hingewiesen, dass Fabriken Sperrbezirke sind, "unerforschte Territorien, schwierig zu besichtigen". Seit 1968 ist das publizistische Interesse an der Arbeitswelt gestiegen, aber schon früher gab es Autorinnen und Autoren, die aus dem Arbeiteralltag berichteten. Stefan Howald fragt sich, ob die Reportage überhaupt das richtige Instrument zur Annäherung sei.

 

Märtyrer Meienberg?

Und andere Fragen an Niklaus Meienberg

Im bisher ausführlichsten Interview mit Niklaus Meienberg kommen Fragen zur Sprache über NMs Geschichte, seine Arbeit, seine politischen Ideen, auch über seine Schwächen und Widersprüchlichkeiten. Wichtige Fragen und verblüffende Antworten.