Deckname: Meienberg

"Heisssporn im Kalten Krieg", titelt die NZZ am Sonntag in der Ausgabe vom 7. November. Gemeint ist damit nicht der gute Meienberg (obwohl dies dem Blatt durchaus zuzutrauen wäre). Es handelt sich vielmehr um einen wohlgesonnen Nachruf auf den eben verblichenen "Subversivenkenner" Ernst Cincera, dem - ach bös ist die Welt - einst der militärische Aufstieg versagt blieb, weil es einem "Trupp Genossen" gelungen war, seinen privaten Nachrichtendienst wider die linken "Wühler" auszuheben und Teile der Sammlung in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Artikel wäre halb so interessant, wäre da nicht der Name Meienberg, der sich, ganz unverdächtig, in die Zeilen geschlichen hat. Man liest und staunt:
Hinter den Besetzern des AKW-Geländes von Kaiseraugst, lässt Cincera verlauten, habe der Schriftsteller Niklaus Meienberg die Hand im Spiel. (Der gilt als ganz böses Tier).
Kaum erstaunlich, könnte man einwenden: die Produktion von Verschwörungstheorien gehörte schliesslich zu Cinceras Metier. Verblüffend indes die Aussagen am Schluss des Artikels:
Beim Studium in den Archiven der Gauck-Behörde lernte Cincera den Namen des Mannes kennen, der auf ihn selber angesetzt worden war: ein in die DDR emigrierter Schweizer Kulturschaffender. Handschriftlich hatte der sich in Ostberlin - unter merkwürdigem Missbrauch eines Namens - verpflichtet: "Zur Gestaltung der konspirativen Zusammenarbeit wähle ich mir den Decknamen Niklaus Meienberg, mit dem ich künftig meine Berichte, Quittungen usw unterzeichnen werde."
Preisfrage: Wer war dieser "Schweizer Kulturschaffende"?
(om)
Zum Thema: Niklaus Meienberg: "Die Enttäuschung des Fichierten über seine Fiche", in: Zunder. Überfälle - Übergriffe - Überbleibsel. Zürich: Diogenes Verlag 1995. S. 128-139.

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