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"Das war nicht seine Kunst"

In der NZZ am Sonntag vom 29. Februar klärt uns Peter von Matt unter dem mathematisch einwandfreien Titel "Literatur = Klartext + Wetter" darüber auf, "warum politische Literatur nicht die bessere Literatur ist und wir in der Schweiz noch immer eine Crèmeschnittenästhetik haben." Dabei kommt er auch auf den "politischen Journalisten" Meienberg zu sprechen:

 

"Es gibt Sätze die man immer wieder hört. Zum Beispiel: Früher waren die Schriftsteller noch politisch, heute sind sie nur noch - was denn? Was sind sie denn heute nur noch? Jeder mag sich selber etwas einsetzen. Wichtig an dem Satz ist bloss der Ausdruck "nur noch". "Nur noch" meint: Da ist ein Abstieg geschehen, da ist uns etwas verloren gegangen.

Wenn man dann zurückfragt und es genauer wissen möchte, heisst es: Früher gab es den Meienberg! Und der Meienberg war politisch! - Gewiss: Meienberg war politisch. Er war ein politischer Journalist. Das war sein Beruf. Wie hätte er da nicht politisch sein können? Ein Sportjournalist muss vom Sport schreiben, ein politischer von der Politik. Meienberg hat keinen Roman und kein Theaterstück schreiben können, er versuchte es verzweifelt, das hat ihm das Ende seines Lebens verbittert. Ob das mit unserem Problem zusammenhängt?

 

Da es sich hier offenbar um eine rhetorische Frage handelt, überlassen wir die Antwort gerne dem Verfasser. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass Meienbergs Theater-Projekt von 1976 (Arbeitstitel: "Demokratie und Landesverrat") nicht in erster Linie am "politischen Journalisten", sondern an den einschlägigen Instanzen (Stadt Zürich & Verwaltungsrat des Neumarkt-Theaters) gescheitert ist. Die späteren Versuche dagegen scheiterten wohl tatsächlich am am fehlenden "ästhetischen Furor". Meienberg 1989: "Bis dato habe ich nichts Brauchbares zustande gebracht; und das Rauschen der Flügel des Pegasus wird, so wie ich prognostizieren muss, auch bis Mitte August nicht erfolgen - für die erste Spielzeit kann ich also kein Wille-Stück liefern, was mich selbst am meisten mopst, aber nicht zu ändern ist." Im übrigen vetrat von Matt bereits 1997 die Meinung, dass Meienberg nicht zum Stückeschreiber taugte: "Das war nicht seine Kunst. Man kann einem Pianisten nicht plötzlich eine Geige in die Hand drücken und sagen: Du bis ein grosser Musiker, spiel jetzt Geige." 

(om)   

 

Literatur

Arbeitsgemeinschaft Demokratisches Manifest (Hg.): Gegen politische Zensur!: eine kleine Dokumentation über die Verhinderung des Theaterstücks "Demokratie und Landesverrat" von Nilklaus Meienberg am Theater am Neumarkt. Zürich 1976.
Marianne Fehr: Lebensgeschichte des Schweizer Journalisten und Schriftstellers. Zürich 1999. S. 232ff. sowie 399f.