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Meienberg über...

...seinen (literarischen) Umgang mit Frauen.

 

[...]

WoZ: Um einfacher zu fragen: Welche Funktionen, welchen Stellenwert haben Frauen in [Deinen] Büchern?

Niklaus: Die haben keine Funktion bei mir, und ich glaube auch nicht dass ich sie brauche. Sondern sie bringen mich, wie auch Freunde, in Vibration und dann interessiert es mich und ich versuche möglichst genau hinzuhören, aber sie haben keine Funktion in einem Handlungsablauf drin.

WoZ: Sie kommen ja auch kaum vor in Deinen Büchern.

Niklaus: Goht’s no! Ich habe wirklich Anrecht darauf, das meine Sachen gelesen werden, wenn man darüber reden will. Bei mir kommt zum Beispiel eine Gewaltsmama vor, namens Madame Soleil in einer meiner Frankreichreportagen.* Gut, es ist vielleicht nicht eine Frau, die eurem Frauenbild entspricht, aber das ist doch eine unheimliche Muttergottes-von-Einsiedeln. Dann kommen X Frauen in meinen Gedichten vor, in Liebes- und anderen Gedichten, es kommt Frau Arnold vor, die als Dienstmädchen die Titanicüberfahrt überlebt hat** – Frauen haben nicht einfach eine klare Funktion.

[...]

 

Aus: Vorschlag zur Unversöhnlichkeit. Realismusdebatte Winter 1983/84. Mit Beiträgen von Marianne Fehr, Thomas Koerfer, Niklaus Meienberg, Isolde Schaad, Otto F. Walter u.a. WoZ-Dokumentation. Zürich 1984. S. 75.

* "Bleiben Sie am Apparat, Madame Soleil wird Ihnen antworten". In: Heimsuchungen. Ein ausschweifendes Lesebuch. Zürich: Diogenes 1986. S. 125-138.

** "Frau Arnold reist nach Amerika". In: Heimsuchungen. Ein ausschweifendes Lesebuch. Zürich: Diogenes 1986. S. 160-167.

 

Zum Thema: Luise Putsch: Das Schmettern des Schweizer Gockels. Eine feministische Textanalyse. In: Biederland und der Brandstifter