Leben
Werk
Sekundärliteratur
Publikations Datenbank
Dokumente
Links
Home

Überbleibsel
Meienberg über...
Erinnerungen
Veranstaltungen

Suche
Kontakt
Impressum

Meienberg über...

...Dr. Hansweh Kopp

 

(...)

...die ehemalige Sekretärin Maya Kriesemer sagt, sie habe Anfang 1971, als sie im Büro Jucker/Berger/Wettstein/Kopp, Rämistr.29/31 tätig gewesen sei, eine seltsame Entdeckung gemacht. Sie arbeitete damals erst seit kurzem dort (...). Damals habe Hans W. Kopp ihr beiläufig anvertraut, dass er sich nun plötzlich von seinen Partnern trennen wolle, zwecks Expansion. Das sei ihr dann kurlig vorgekommen, dieser Auszug so Knall auf Fall. Als sie nun diesbezüglich bei Kopp, vorerst erfolglos, ein wenig habe nachbohren wollen, seien zwei weitere Sekretärinnen ins Büro geplatz. "Herr Doktor, das Spiel ist aus", habe die eine gesagt und, zu Maya Kriesemer: "Er wird dir den wahren Grund für den Auszug nicht nennen, ist nämlich von seinen Partnern hinausbugsiert worden, weil er uns übers Knie gelegt und mängisch Tätsch gegeben hat." Kopp habe dies kaltblütigstens, wie es seine Art gewesen sei, in Abrede gestellt, und sie, Maya Kriesemer, habe auch fast nicht glauben mögen, sintemalen im Büro doch immer so eine tolle Atmosphäre geherrscht habe, Kopp sei allgemein respektiert worden, überhaupt kein Brutalo wunderbares Arbeitsklima, grosszügiger Chef, väterlich besorgt, habe auch prima delegieren können, gar nicht pingelig, und sich um das Wohlergehen seiner Untergebenen nachhaltig gekümmert und die Leute immer bestens motivieren können und sei für alle stets ein Vorbild gewesen bezüglich seiner riesigen Arbeitskapazität.

Die beiden Kolleginnen hätten ihr dann weiterhin mitgeteilt, dass diese für zürcherische Erwachsene doch recht ungebräuchliche Bestrafung, nämlich dieses Über-die-Knie-gelegt-Werden, nach vorheriger Entblössung des Hintern, und dieses Mit-einem-Bambusstöckli-gepfitzt-Werden* (manche bezeichnen es als Prügelung, andere wieder als Peitschung), jeweils erst dann erfolgt sei, wenn sie sich selbst eines Fehlers bezichtigt gehabt hätten, zum Beispiel falsches Ablegen von Dokumenten, gravierenden Tippfehler oder andere Büro-Kalamitäten. Sie seien von Hans W. Kopp jeweils am Abend nach den Fehlern, ganz sanft und väterlich (streng, aber gütig!) zur Einsicht in ihre Fehler, dann zur Reue getrieben worden und hätten sie dann nach längerem Gespräch die Pfitzung sozusagen als organisch-logische Folge ihrer Sünden und fast als Befreiung von ihrer Schuld empfunden: Tätige Reue. Dieses doch etwas schmerzhafte Ritual habe nicht ohne ihr Einverständnis stattgefunden und nicht mit brutalem Zwang.

(...)

*Das Stöcklein war ambvivalent. Es steckte, im ruhenden Zustand, in einem Blumenstock und diente der Koppschen Zimmerlinde als Stütze.

 

Aus: Reportagen 2. Zürich: Limmat, 2000. S.41f. Auch beachten: "Frau Kopp wird Herr (des Problems)" in: Vielleicht sind wir morgen schon bleich u. tot. Zürich: Limmat, 1989. S.116f. - "Anmerkungen zur politischen Kultur der Lüge (betr.Kopp-Kopp, 1984)" in: Vielleicht sind wir morgen schon bleich u. tot. Zürich: Limmat, 1989. S.181f.